Leistungsturner - Bericht Ligasaison 2018

In der Ligasaison 2018 des Rheinischen Turnerbundes war der 1.FC Spich erstmals mit zwei Teams in zwei Ligen vertreten. Die „erste Mannschaft“ startete in der höchsten Liga des Verbandes, der Oberliga (im Fußball vergleichbar mit der Regionalliga), neu formiert wurde in der Landesliga eine TG (Turngemeinschaft) aus Spicher Nachwuchs und dem sechsmaligen deutschen Mannschaftsmeister Bayer 04 Leverkusen, der sich derzeit im Wiederaufbau befindet. Die Berichte der Mannschaften vorweg nehmend: In der Oberliga wurde man vom Pech verfolgt, in der Landesliga war durchaus das Gegenteil der Fall. 

Oberliga - 1.FC Spich 1

Die Saison der Oberligamannschaft stand von Anfang an unter gemischten Vorzeichen. Durch die Teilung des Teams in zwei Mannschaften war die Kaderdichte in der vierthöchsten Liga von vornherein nicht besonders hoch. Acht Turner schickte der FC hier ins Rennen. Die sieben Spicher Routiniers, verstärkt um die Leihgabe von unserem befreundeten Verein TV Weißkirchen, Julian Peters, hatten vom Leistungsvermögen her durchaus die Möglichkeit um den Bronzerang in der Abschlusstabelle mitkämpfen zu können. Die Plätze eins und zwei werden traditionell von der KTV Ruhr-West und dem KTT-Oberhausen, den beiden bundesligaerfahrenen Leistungsstützpunkten des RTB unter sich aus gemacht. 

Wie ebenfalls schon fast traditionell hatte Spich dann wieder das Nachsehen in der Auslosung der Partien und durfte just gegen eben diese beiden Primusse in die Saison starten. Es kam wie es kommen musste. Julian Peters, Deutscher Meister im Mehrkampf (eine Mischung aus Turnen und anderen Disziplinen wie Leichtathletik und Schwimmen) verletzte sich in der Vorbereitung auf die Saison am Handgelenk, einer der ungünstigsten Stellen für das Turnen. Bis auf einen kleinen Einsatz zur Ehrenrettung gegen das KTT-Oberhausen, welches mit ihrem sechsmaligen Deutschen Jugendmeister Michael Donsbach und mehreren Turnern aus der zweiten Liga bei uns aufgelaufen war, fiel er für die komplette Saison aus. Zusätzlich befanden sich die starken Gerber-Zwillinge in einem stetigen Strudel aus Abitur und wochenendlichen Arbeitseinsätzen, konnten also das Training nicht im nötigen Rahmen ausnutzen. Als ob das nicht schon genug gewesen wäre wurde Dimitrii Lavrinenco, bester Punktesammler der letzten Jahre, frisch Vater. Noch ein mal herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle, Sohnemann Maxim hat einen Platz im Bundesligateam 2034 sicher. 

Erwartungsgemäß chancenlos verliefen die ersten beiden Wettkämpfe gegen die Stützpunkte, wenn man auch hier und da selbst mit den wenigen Ersatzturnern, die ihre Sache durch die Bank gut machten, sehr nah an den Gewinn des ein oder anderen Gerätes heran gekommen war. 

Die letzte Begegnung vor dem Finale stand jetzt beim TV Mützenich in der Eifel an. Wollte man die geringe Chance auf das „kleine Finale“ noch wahren, musste hier ein Sieg her. Das dementsprechend zu gehende Risiko zahlte sich nicht aus und schon am ersten Gerät verletzte sich mit Ronald Gerber einer der wichtigsten Jungs bei seinem Doppelsalto rückwärts. Dieser Verlust kam einer Vorentscheidung gleich, ist Ronald doch an vier von sechs Geräten meist sicher in der Wertung. Das Team kämpfte gut, insbesondere Kapitän Sascha Jacobs nach längerer Verletzungspause und der frisch wieder in die Mannschaft gerückte Philipp Hartmann zeigten sich stabil. Besonderes zu erwähnen ist auch Dima Lavrinenco, der trotz eines eingeklemmten Nervs im Rücken (man hat ja sonst noch nicht genug Probleme) tapfer einen der besten Wettkämpfe seiner Spicher Karriere abspulte. Trotzdem, der Sieg war hier unter den gegebenen Umständen nicht zu erreichen.

In das Finale ging man also als Letztplatzierter aus der Vorrunde. Gegner waren am 28.04. in Oberhausen nun Lieblings-Lokalrivale Bonner TV 1 und die WKG Verlautenheide / Hoengen. Ersterem musste schnell klein bei gegeben werden. Mit einem konzentrierten Wettkampf in dem sich alle Beteiligten gut schlugen, Unsicherheiten unseres jüngsten Turners Ilja Töws am Sprung glich er am Boden wieder aus, konnte am Ende mit unserer Höchstpunktzahl der Saison von 211 Punkten die ebenfalls (wenn auch nicht ganz so schwer) vom Verletzungspech gescholtene WKG Verlautenheide / Hoengen mit 203 Punkten geschlagen werden. Unsere Verstärkung Nils Offer gab hier mit einer super Bodenübung seinen Abschied aus der aktiven Laufbahn als Turner. Nils, vielen Dank für deine Unterstützung in den letzten Jahren und alles Gute auf deinem weiteren Weg.

Der solide Wettkampf war ein versöhnlicher Abschluss für eine vom Pech verfolgten Saison. Schlussendlich konnten wir uns im Vergleich zum Jahr 2017 sogar noch um einen Platz auf Rang fünf der Abschlusstabelle verbessern. Generell ist auch festzuhalten, dass das Leistungsniveau der Mannschaft im Vergleich zur letzten Saison stark gestiegen ist. Zwei bis drei gestreckte Tsukahara Sprünge, mehrere Doppelsalti am Boden, schwere Kraftteile an den Ringen und Flugteile am Reck stehen mittlerweile zu Buche. Auch wenn noch nicht abschließend geklärt ist wie Auf-und Abstieg zu regeln sein werden, ist der Erhalt der Oberliga gesichert. 

Aus der zu geringen Kaderdichte in diesem Jahr werden für die Saison 2019 Lehren gezogen werden, das nächste Team wird breiter aufgestellt und dann wird die Mission Treppchen erneut in Angriff genommen. Mit dem erwarteten Teil-Einzug in die neue Gerätehalle in Troisdorf („Teil-Einzug“, da aufgrund von Budgetlücken noch nicht alle Geräte voll zur Verfügung stehen werden) gegen Ende des Sommers, ist eine weitere Leistungssteigerung zu erwarten. 

Landesliga - TG Spich / Leverkusen

Seit einigen Jahren wird in Spich eine grundsolide Nachwuchsarbeit geleistet. Daher entstand bereits in der letzten Saison die Idee einer zweiten Mannschaft, um mehr jungen Spichern Einsätze in der Ligasaison - das Salz in der Suppe unserer Turner - ermöglichen zu können. Als Partner konnte dafür schnell der TSV Bayer 04 Leverkusen gewonnen werden. Ein großer Name auch im Turnen, schließlich war der Verein lange Jahre in der Bundesliga aktiv und wurde dort sechs mal deutscher Mannschaftsmeister. Nachdem die Finanzierung der Abteilung Turnen dort vor einigen Jahren eingestellt worden war, baut Trainer Sven Schilling nun wieder mit neuer Jugend auf. Bindeglied zwischen beiden Vereinen ist zudem Altmeister Jens Rudat, der in seiner Jugend für beide Vereine aktiv gewesen war. Die Mannschaft bestand nun also aus Spicher und Leverkusener Nachwuchs, sowie einigen Routiniers. Aus Spich traten an: Roman Welzel, Corbin Plischke, Daniel Töws, Emre Tasdemir, Timur Simanko und Silas Nagel. Zu diesen Sechs gesellte sich Jens Rudat zusammen mit den anderen Leverkusener Ex-Bundesligisten Dennis Eckelmann und Thomas Liebig, sowie vier weiteren Leverkusener Nachwuchskräften. Der älteste Turner des Teams lag damit bei über 40, der jüngste bei 10 Jahren. 

Die Vorzeichen für die Saison waren von Anfang an sehr gut. Beide Vereine verfügen über eine gute Nachwuchsförderung und die „alten Hasen“ aus Leverkusen stehen noch immer ausgezeichnet im Saft. Die schwierigsten Gegner würden im Gesamtklassement die SG Wanheimerort / Rheinhausen, ein Zusammenschluss zweier ehemaliger Oberligavereine und die zweite Mannschaft des Bonner TV werden. Gegen beide Mitfavoriten konnte in Teils sehr spannenden Wettkämpfen zu Beginn der Saison gewonnen werden, ebenso im letzten Wettkampf der Vorrunde gegen das Gladbacher Turnteam. In das Finale am 28.04. in Oberhausen ging man damit als ungeschlagener Top-Favorit. Mit einer starken Leistung, mit der man an einigen Geräten auch in der Oberliga gut hätte mithalten können, schlug die TG im Finale den TV Mützenich 2 und den SV Rot-Weiß Bonn Röttgen und konnte sich ungefährdet den Titel als Landesligameister sichern. Es kann ein durchweg positives Fazit über die Kooperation mit Bayer 04 und die Leistungsfähigkeit des eigenen Nachwuchses gezogen werden. Die Einsätze an den Geräten und die eingefahrenen Punkte hielten sich zwischen den beiden beteiligten Vereinen stets die Waage. Auch sozial passt man gut zusammen.

Im nächsten Jahr steht nun die Überlegung an diese Mannschaft als ein reines Nachwuchsteam, sprich U18 oder gar U16 anzulegen, um einerseits eventuelle Lücken in der Oberligamannschaft ausgleichen und andererseits noch mehr Kindern und Jugendlichen das Starten in der Liga ermöglichen zu können. Die Zusammenarbeit der Vereine soll fortgesetzt werden.

 

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Die versammelten Ligaturner des 1.FC Spich und des TV Bayer 04 Leverkusen nach dem erfolgreichen Finale.

 

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